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13. April 2022

Präsident des Fachverbands Biogas: „Von der Bundesregierung kam bis jetzt keine Reaktion und das finde ich beschämend“

agrarzeitung

Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas, im exklusiven Interview mit der agrarzeitung

Weder Wirtschafts- (BMWK) noch Landwirtschafts-Ministerium (BMEL) zeigen eine Reaktion auf die Vorschläge des Biogas-Verbandes, wie man kurz- und mittelfristig die Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren könnte.

„Von der Bundesregierung kam bis jetzt keine Reaktion und das finde ich beschämend“, sagt Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas, heute im Interview in der aktuellen Ausgabe der agrarzeitung (dfv Mediengruppe).

Kurz nach Beginn des Überfalls von Russland auf die Ukraine hatte Seide am 7. März für seinen Verband erklärt, bis zu 80 Prozent der russischen Gasimporte nach Deutschland könnten mittelfristig aus heimischen Quellen kompensiert werden und kurzfristig immerhin fünf Prozent. Auf die Frage, wie die Reaktionen darauf ausfielen, sagte Seide, dass bislang nur Abgeordnete von SPD und FDP reagiert hätten: „Da gibt es welche, die sich dafür einsetzen.“

Wie sich Seide die Reduzierung der Abhängigkeit von russischem Erdgas vorstellt, erklärt er im Interview: „Kurzfristig könnten wir fünf Prozent ersetzen, wenn man die Bremsen lösen würde, etwa im EEG oder dem Baugesetzbuch. Aber darauf ist man nicht eingestiegen. Und gleichzeitig wurde der Notfallplan Gas in Kraft gesetzt, wo man über Abschaltungen redet. Das passt nicht zusammen. Stellen Sie sich einen Industriebetrieb vor, der von Abschaltung bedroht ist und dem Sie sagen müssen: Wir könnten Dich beliefern, dürfen aber nicht. Das ist schon schwer zu vermitteln.“

Wie der Biogasverband die angekündigten 80 Prozent der russischen Gasimporte erreichen will, erklärt Seide so: „Mittelfristig heißt in der zweiten Hälfte der 2020er. In dieser Zeit müssten Anlagen zugebaut werden, die zum Beispiel auch mit Stroh betrieben werden. Stroh kommt im Moment gar nicht vor. Potenzial gibt es auch bei industriellen Reststoffen wie Brotabfällen, die derzeit noch in die Tierfütterung gehen, aber übrigbleiben, wenn die Tierbestände zurückgehen. Hinzu kommt Material von Dauergrünland und Biodiversitätsflächen. Damit wären wir bei 40 Prozent – und die anderen 40 Prozent könnten wir aus der Methanisierung von CO2 gewinnen, das in den Biogasanlagen vorhanden ist. Der Wasserstoff dafür käme aus der Elektrolyse, wenn Strom billig ist, meistens mittags. Damit hätten wir insgesamt 450 Terrawattstunden aus Biomethan und synthetischem Methan, das entspricht den 80 Prozent. Im Moment sind wir bei 95 Terrawattstunden.“

Zwar gab es ein Vorgespräch mit Simone Peter vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) mit Robert Habeck vom BMWK sowie die Bitte, den Kabinettsentwurf zum Osterpaket zu kommentieren – dies im Rahmen des üblichen Verfahrens. „Doch die Vorschläge des Biogas-Verbandes zur Reduktion der Abhängigkeit von russischem Gas sind dabei nicht eingeflossen“, sagt Seide.

Beim BMEL habe man allerdings den Vorschlag zu den Güllekleinanlagen mit in den Entwurf genommen. Im Übrigen hat man laut Seide mit der Bemerkung reagiert, das BMEL sei nicht für Energiefragen zuständig.

Das Interview mit Horst Seide finden Sie in der aktuellen Ausgabe der agrarzeitung.

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