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2. April 2019

Gerry Weber-Chef: „Bestes Ergebnis seit acht Jahren“

TextilWirtschaft
Anfang der Woche wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung für Gerry Weber eröffnet. Unternehmenschef Johannes Ehling hat damit wohl einen der herausfordernsten Jobs der deutschen Modebranche. Welche Sanierungsmaßnahmen er umgesetzt hat und ob sie schon greifen, erläutert Ehling im Exklusiv-Interview mit der TextilWirtschaft (dfv Mediengruppe).

„Wir sind aus dem ersten Quartal unseres laufenden Geschäftsjahres sehr gut herausgekommen. Im eigenen Retail haben wir das beste Ergebnis seit acht Jahren erzielt“, sagt Johannes Ehling, Vorstandssprecher von Gerry Weber, im TW-Gespräch. „Wir haben alte Winterware gut vermarktet und deutlich mehr Ware zum Vollpreis verkauft. Mithilfe einer völlig anderen Einsteuerungspolitik haben wir eine Entlastung der Bestände erreicht. Das führt dazu, dass wir deutlich verbesserte Roherträge haben. Der Retail macht uns momentan richtig viel Spaß.“

Der Retail ist eigentlich das Sorgenkind des Konzerns, weil Gerhard Weber, als es noch richtig gut lief, neben dem Wholesale einen eigenen Laden nach dem anderen eröffnet hat, diese aber nie so erfolgreich waren wie erhofft. 822 Stores betreibt der börsennotierte Konzern noch, der gerade vom Prime Standard in den General Standard mit weniger strengen Veröffentlichungspflichten wechseln will. Etliche Läden wurden in den beiden letzten Geschäftsjahren geschlossen, weitere 180 sollen europaweit folgen.

Dass ausgerechnet das Segment gut läuft, das Gerry Weber laut Kritikern lieber schließen statt sanieren sollte, liegt laut Ehling vor allem an dem Flächenmanagement, das er eingeführt hat – und an deutlich weniger Ware auf den Flächen.

Es sind betriebswirtschaftlich betrachtet simple Änderungen, die Ehling seit seinem Antritt als Vorstandschef im November 2018 bei Gerry Weber vorgenommen hat: „Wir schauen auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Filialen und bauen ein entsprechendes Kostengerüst dazu“, so der 52-Jährige. Änderungen waren dringend nötig. Das Ergebnis schrumpft seit Jahren im Geschäftsjahr 2017/18 (31.10.), dessen Abschluss noch aussteht, wird ein operativer Verlust von 192 Mio. Euro erwartet. Die Schulden von 218 Mio. Euro türmen sich, eine im November fällige Tranche eines Schuldscheindarlehens über 31 Mio. Euro konnte nicht zurückgezahlt werden, Gerry Weber ging schließlich in die Insolvenz in Eigenverwaltung. 900 Stellen sollen in Europa wegfallen. Gerade sucht das Unternehmen einen Investor.

Auch der Februar sei nach dem erfolgreichen ersten Quartal, das bei Gerry Weber von November bis Januar dauert, gut gelaufen. „Wir haben in den ersten Monaten unseres Geschäftsjahres die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr sogar teilweise getoppt.“

Umsatzziele für das laufende Geschäftsjahr will der Vorstand noch nicht nennen: „Einen Plan-Umsatz für das laufende Geschäftsjahr kann ich noch nicht nennen, da wir immer noch in der Finalisierung unserer Businesspläne stecken.“ Bis der Konzern aber wieder schwarze Zahlen schreibt, wird es noch dauern. Zu groß ist der Sanierungsbedarf und die damit einhergehenden Aufwendungen: „In diesem Geschäftsjahr wird kein operativer Gewinn drin sein. Die Perspektive ist aber klar. Wir wollen das Unternehmen sanieren und umstrukturieren, und bis 2021 den Turnaround im operativen Ergebnis schaffen, um wieder eine attraktive Ebit-Marge zu generieren.“

Das ausführliche Gespräch lesen Sie ab sofort auf textilwirtschaft.de

Kontakt
dfv Mediengruppe
Christoph Murmann
Unternehmenskommunikation
Telefon 069 7595-2061
presse@dfv.de
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