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22. Oktober 2020

„Fachmedien bleiben entscheidende berufliche Informationsquelle“

AHGZ

- VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer im großen Jubiläums-Interview anlässlich 120 Jahre ahgz Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung: Werbewirtschaft sollte sich mehr auf stabile Kriterien wie Unabhängigkeit, Vertrauen und Seriosität besinnen - ‚All things digital‘ nicht die Antwort

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Stephan Scherzer, hat die Bedeutung der Fachmedien hervorgehoben. „Fachmedien sind heute und werden auch künftig die entscheidende berufliche Informationsquelle sein – und das sowohl in digitaler als auch gedruckter Form“, erklärte er im Interview der ahgz Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (dfv Mediengruppe) zum 120-Jährigen Bestehen. „An ihrer Kernfunktion als Branchen-Navigator werden diese und auch kommende Krisen nichts ändern.“

Die Coronakrise unterstreiche eindrucksvoll die Bedeutung einer unabhängigen und vielfältigen Presse für unsere Gesellschaft, betonte Scherzer. „Die große Nachfrage nach verlässlichen Informationen macht die Qualität und Relevanz der journalistischen Angebote der freien Presse deutlich. Die digitalen Reichweiten sind flächendeckend überproportional gestiegen – und sind dafür ein klares Zeichen!“

Dennoch stünden die Verlage unter anderem wegen rückläufiger Anzeigenerlöse vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Steigende Abozahlen im digitalen Bereich könnten die Rückgänge nicht auffangen. „In vielen Bereichen der Werbewirtschaft wäre eine Besinnung auf stabile Kriterien wie Unabhängigkeit, Vertrauen und Seriosität zu wünschen“, betonte Scherzer. “‚All things digital‘ ist nicht die Antwort.“

Insgesamt verlangt die Corona-Krise nach Einschätzung des VDZ-Hauptgeschäftsführers eine noch intensivere Transformation aller Bereiche. Gleichzeitig ist es nach den Worten Scherzers wichtig, dass die Politik die maßgeblichen Rahmenbedingungen für alle Verlage so ausgestaltet, dass die gesamte Presse, Zeitschriften und Zeitungen, weiterhin unabhängig publiziert und auskömmlich finanziert werden kann. „Wir halten es für richtig, dass Bundestag und Bundesregierung Zeitschriften und Zeitungen bei den enormen Herausforderungen auf dem Weg in die Zukunft unterstützen, damit die Leser je nach individuellem Informationsinteresse weiterhin unabhängig mit allen digitalen und gedruckten Formaten mit großer Vielfalt bedient werden können.“

Laut VDZ erwirtschafteten die 5.537 Fach- und 1.569 Publikumstitel 2019 einen leicht rückläufigen Branchenumsatz von 20,2 Milliarden Euro. Dem in einzelnen Segmenten bereits erheblichen Umsatzrückgang im Werbegeschäft hätten dabei Zuwächse in den Bereichen Bildung, Veranstaltungen, Software und Services, Stellen-Plattformen und Transaktionsplattformen gegenüber gestanden. „Zentraler Schlüssel zum Erfolg sind die Erlöse vom Leser: Kiosk, Abo, Paid Content auf allen Kanälen“, unterstrich Scherzer. „Die ersten Monate 2020 lagen in fast allen Segmenten sogar über dem Vorjahr. Dann kam Corona.“

Scherzers Fazit lautet: „Deutschland hat die vitalste und vielfältigste Verlagslandschaft weltweit. Die Branche kann Krise.“ Das habe sie schon 2001 nach dem Platzen der ersten Internetblase und später in der Lehman-Krise bewiesen. „Wenn alle weiterhin gemeinsam ihre Interessen gegenüber der Politik vertreten, die Bedürfnisse der Leser modern und auf allen Kanälen adressiert werden und es smarte und skalierbare Lösungen für die Werbekunden gibt, bin ich zuversichtlich. Das Glas ist halbvoll.“

Der VDZ ist der Dachverband der deutschen Zeitschriftenverleger. Er wurde 1929 gegründet. Im VDZ sind rund 450 Verlage organisiert, meist mittelständische Unternehmen, die zusammen mehr als 7.000 Zeitschriftenmarken verlegen.

Das gesamte Interview steht in der ahgz 43 vom 24. Oktober 2020. Zitieren ist mit Quellenangabe gestattet.
Kontakt
dfv Mediengruppe
Manuela Töpfer
Senior Referentin Unternehmenskommunikation
Telefon 069 7595-2052
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